Waldameisen ohne typischen Hügel

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Waldameisen ohne typischen Hügel

Die auffälligen Nesthügel weisen den Waldbesucher auf Waldameisen hin. Doch was sind das für Waldameisen, die in einem abgestorbenen Baumstamm leben? Auf eine solche Ameisenkolonie in 2025 aufmerksam gemacht worden, stand diese weiter unter Beobachtung. Zu dem typischen Hügelbau kam es auch 2026 nicht. Inzwischen haben Spechte die Stelle entdeckt und große Löcher in den alten Stamm gehämmert. Der Besuch eines Buntspechtes konnte bereits am Baum dokumentiert werden.

Doch welche Art nutzt diesen Baum als Behausung? Bilderkennungstools sind sich da nicht 100%ig einig. Es kann eine Kahlrückige- oder die Rote Waldameise sein. Um das nun genau zu klären wurde die Ameisenschutzwarte kontaktiert.

Die Antwort lautete:

„Sie haben mir ein relativ gutes Makrofoto von der Waldameise geschickt. Aber leider lässt sich aber aufgrund des Fotos die Art nicht exakt bestimmen. Es ist die Beborstung des Vorderrückens (Pronotums) aufgrund des Hintergrundes nicht zu erkennen sowie die Behaarung auf der Kopfunterseite. Nehmen Sie sich eine Lupe mit, wenn Sie das nächte Mal an dem Nest vorbeikommen und schauen Sie sich ein Exemplar gegen den klaren Himmel an. Das Pronotum sollte mind. 30 Borsten und die Kopfunterseite mind. 10 lange Haare aufweisen. Dann wäre es mit Sicherheit die Rote Waldameise (Formica rufa). Wenn das nicht zutrifft, dann handelt es sich um die Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena). „

Ausgerechnet diese beiden Arten sind sehr schwer zu unterscheiden. Und man braucht dazu laut H.Dambach eine starke Lupe ( mindesten 20 fache Vergrösserung ).

Um die Haare zu erkennen, ist ein neutraler Hintergrund, gutes Licht und eine geeignete Position der Ameise notwendig. Ein am Ende mit Honig beschmiertes Stöckchen sollte die Ameisen animieren sich ganz aus der Nähe von unten und oben begutachten zu lassen. Denkste, sie liefen auf und ab. Dennoch konnten 2 neue Makros aufgenommen werden, die nützlich sind.
Ein Zählen der Haare war mit lebenden Waldameisen und einer Lupe nicht möglich, da sie nicht stillhalten. Auf einem der Makros können 9 Haare an der Kopfunterseite gezählt werden. Borsten sind auch andeutungsweise auf der Brustoberseite zu sehen.
Gemäß https://www.ameisenschutzwarte.de/heimische-waldameisen/formica-rufa sollte es also eine Rote Waldameise sein, was auch von der Ameisenschutzwarte bestätigt wurde.

Ihre Beobachtung zeigt schon ein sehr seltenes Ereignis, schreibt D. Bretz von der Ameisenschutzwarte. Beide Arten sind auch schon in Stromkästen entdeckt worden, ohne dass dort außen Nesthügel gefunden wurden. Über entsprechende Bilder freut sich die Zeitschrift „ Ameisenschutz aktuell“.

„Der jährliche Nahrungsbedarf eines grossen Volkes beträgt etwa 30 Kg Fleisch und bis zu 200 Kg Honigtau. Die Fleischnahrung besteht aus Zecken, Raupen, Insekten und Käfern und ist ausschliesslich für ihren Nachwuchs bestimmt.
Dadurch vertilgt ein Ameisenvolk jährlich etwa 10 Millionen Forstschädlinge und andere Insekten bis zu Bienen und Hornissen. Eine Ameise kann das hundertfache ihres Eigengewichtes tragen. Grössere Beutestücke werden an Ort und Stelle in handliche stücke zerlegt.“ /1/

Die letzte Aussage konnte durch eigene Beobachtungen so nicht bestätigt werden. Tote Wespen und Mauerbienen wurden ignoriert. Kleine Frostspanner Raupen wurden bevorzugt attackiert und „abtransportiert“.
Von den Bäumen fielen auch Raupen des Vierpunkt-Flechtenbärchens. Die Ameisen kamen an diese nicht heran, vermutlich durch die Borsten und die Raupen konnten sich in Sicherheit bringen.

Dass eine Waldameise für sie riesige Lasten tragen kann, konnte täglich beobachtet werden, da sie die Spechtlöcher mit Nadeln und Stöckchen wieder verschließen.

Der Transport der Larven war speziell bei Sonnenschein zu beobachten.

Waldameisen sind erfolgreiche Lebewesen über Millionen von Jahren und es ist sehr interessant, diese zu beobachten.

/1/ https://www.luzerner-waldameisen-schutz.ch/de/data/_uploaded/H_D_Die Waldameisen H.D.2008.pdf

Lesenswert:

Die Roten Waldameisen – Biologie und. Verbreitung in der Schweiz
Beat Wermelinger, Christoph Düggelin, Anne Freitag, Benjamin Fitzpatrick, Anita C. Risch
https://www.wsl.ch/de/ueber-die-wsl/publikationen/

Waldameisenschutz
Dipl. Biologe Dieter Bretz
ISBN 978-3-947152-39-1
Herausgeber:
Drenske Medien
verlag@drenskemedien.de

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