Von der Wanderlust in die Bundesliga – Infotafeln im Vereinsheim erinnern an Persönlichkeiten
Vor einigen Monaten kam den beiden Wanderlust-Mitgliedern Sebastian Scheufens und Wolfgang Robertz die Idee, an ehemalige bekannte Spieler ihres Fußballvereins zu erinnern. In stundenlanger akribischer Arbeit wurde im Internet recherchiert; es wurden Autogrammkarten, Zeitungsartikel und Fotos von den ehemaligen Bundesligaspielern Arno Ernst und Herbert Mühlenberg gesichtet und ausgewertet. Sehr viel Material und weitere Unterstützung erhielt man auch vom Vorstand des Vereins.
Nach dieser mühevollen Arbeit nahm man dann vor einigen Wochen endlich Kontakt zu den beiden ehemaligen Süsterseelern auf, die nun schon etliche Jahre in Geilenkirchen bzw. Georgsmarienhütte wohnhaft sind, aber den FC Wanderlust nie aus den Augen verloren haben.
Bei der Durcharbeitung der Artikel wurden so manche Besonderheiten im Bezug auf beide Spieler festgestellt und brachten die beiden Vereinsforscher ins Staunen.
So war Arno Ernst Mannschaftskapitän bei Fortuna Sittard und spielte dort mit dem späteren Trainer Huub Stevens in einer Mannschaft. Fußballerische Zweikämpfe lieferte er sich sogar mit dem späteren Weltfußballer Johan Cruyff. Vorher bei Borussia Mönchengladbach zählten Günther Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts zu seinen Mannschaftskameraden. Trotz seiner mehr als 300 Einsätze als Abwehrspieler kann man seine gelben Karten an einer Hand abzählen.
Herbert Mühlenberg wurde mit dem 1. FC Köln sogar deutscher Vizemeister, Vizepokalsieger und spielte im UEFA Cup. Zu seinen Mitspielern zählten Hannes Löhr, Heinz Flohe, Wolfgang Weber und Wolfgang Overath.
1974 gelangen „Mühle“ im Regionalliga-Nord-Spiel seines VfL Osnabrück gegen Holstein Kiel in 4 Minuten 3 Treffer. Ein lupenreiner Hattrick, den es in so kurzer Zeit im deutschen Fußball nicht so oft gegeben hat.
Viele ältere Süsterseeler waren sogar live bei den Spielen von Arno und Herbert dabei und fieberten mit
Wolfgang Robertz und Sebastian Scheufens legten bei ihrer Arbeit viel Wert auf Genauigkeit und die richtige Auswahl von Fotos und Texten.
Bei der Erstellung der Tafeln konnte man glücklicherweise auf die Fähigkeiten von Isabelle Ernst zurückgreifen, die den beiden Infotafeln vor der Herstellung ein ansprechendes und modernes Design verlieh.
Auch wurden beide Tafeln, die einen Ehrenplatz im Vereinsheim der Wanderlust im Heidestadion finden sollen, mit einem QR-Code ausgestattet. Hierüber gelangen Interessierte auf die Website der Wanderlust und können sich weitere Presseartikel oder Fotos der beiden ehemaligen Süsterseeler Bundesligaspieler anschauen.
Vielleicht ist dies auch ein Ansporn für Mädchen und Jungen die in den Jugendmannschaften unserer Wanderlust spielen und beim Training oder den Spielen immer mit Einsatz und Freude dabei sind, so Sebastian Scheufens, der selbst noch aktiver Spieler der 2. Mannschaft ist.
Einen weiteren Spieler unseres Vereins haben wir bereits für die nächste Tafel fest im Blick. Die ersten Autogrammkarten und Presseartikel haben wir bereits zusammen, verriet Wolfgang Robertz, der auch als Betreuer der 2. Mannschaft in Süsterseel fungiert.
Der Traum von vielen Jugendspielerinnen und Spielern einmal bei einem großen Verein zu spielen oder sogar Bundesligaprofi zu werden, wird mit viel Einsatz, Wille und auch etwas Glück sicherlich noch einmal Wirklichkeit werden.
Bei einem „großen“ Verein spielen die jungen Süsterseelerinnen und Süsterseeler sogar jetzt schon, sind sich Sebastian Scheufens und Wolfgang Robertz heute schon sicher.
WR

Arno Ernst – Vom FC Wanderlust Süsterseel über die Bundesliga in die niederländische Eredivisie
Wenn in Süsterseel über Fußballkarrieren gesprochen wird, fällt unweigerlich natürlich der Name Arno Ernst. Der gebürtige Süsterseeler begann seine Laufbahn beim FC Wanderlust 1920 e.V. und legte dort den Grundstein für eine bemerkenswerte Laufbahn, die ihn bis in die Bundesliga und die niederländische Eredivisie führte.
Frühe Jahre in Süsterseel und Aufstieg in den höherklassigen Fußball
Arno Ernst, geboren am 29. September 1941 in Süsterseel, durchlief beim FC Wanderlust die Jugend- und frühen Seniorenmannschaften. Bereits mit 15 Jahren spielte er in der 1.Mannschaft seines Heimatvereins. Bereits in jungen Jahren fielen sein Spielverständnis und seine Übersicht in der Innenverteidigung auf – Eigenschaften, die ihn bald zu höheren Aufgaben führen sollten.
1961 wechselte Ernst zum VfR Übach-Palenberg, wo er in der Verbandsliga Mittelrhein spielte und sich weiter in den Fokus größerer Vereine spielte.
Borussia Mönchengladbach: Aufstieg mit einer goldenen Generation
Zur Saison 1963/64 verpflichtete Borussia Mönchengladbach den Abwehrspieler. In vier Jahren absolvierte Ernst 34 Spiele in der Regionalliga West, war in allen sechs Spielen der Aufstiegsrunde 1965 aktiv und gehörte zum Kader, der unter Trainer Hennes Weisweiler gemeinsam mit Günter Netzer, Jupp Heynckes und Bernd Rupp erstmals in die Bundesliga aufstieg. In der Bundesliga selbst kam er auf vier Einsätze. Alle über die volle Distanz von 90 Minuten.
In dieser Saison schnürten viele bekannte Spieler die Schuhe in der Bundesliga. Wir erinnern uns an so klangvolle Namen, wie: Otto Rehagel, Heinz Flohe, Hannes Löhr, Wolfgang Oberath, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Herbert Wimmer, Berti Vogts, Jürgen Grabowski, Klaus Fichtel, Uwe Seeler, Petar Radekovic, Horst Köppel und Bo Larsson. Im Zuge des internen Konkurrenzkampfes – unter anderem mit dem jungen Berti Vogts – entschied sich Ernst 1967 für einen Wechsel.
Neun Saisons in den Niederlanden: Konstanz bei Fortuna
Sein Weg führte ihn zunächst zu Fortuna ’54 Geleen, wo er 1967/68 alle 34 Ligaspiele der letzten Saison des Vereins absolvierte. Am 26.11.1967 spielte er dann auch gegen den Weltklassespieler Johan Cruyff von Ajax Amsterdam, die in diesem Jahr zum 13. Male niederländischer Meister wurden. Damaliger Trainer bei Ajax war Rinus Michels. Danach spielte er bis 1976 für den Nachfolgeverein Fortuna SC (heute Fortuna Sittard) in der 2. und 1. Niederländischen Liga. Insgesamt stand Ernst in 68 Ligaspielen der Eredivisie auf dem Platz und erzielte ein Tor. Hinzu kamen 17 Einsätze im KNVB Beker.
Als zuverlässiger Innenverteidiger, oft als prägender Libero, mit taktischem Geschick war Ernst über Jahre eine feste Größe in Limburg und trug viele Jahre mit Stolz die Kapitänsbinde. Als Deutscher Mannschaftsführer in einem niederländischen Team zu sein, war zu diesem Zeitpunkt schon etwas Besonderes. Er wurde in fast 350 Spielen für Sittard eingesetzt. Am 27. Mai 1976 beendete er seine aktive Karriere mit einem Auswärtssieg bei Helmond Sport.
Anschließend war er noch viele Jahre Spieler und Trainer bei diversen Mannschaften u.a. Concordia Haaren, Frankonia Broich und Gillrath.
Ein Leben für den Fußball – mit Wurzeln in Süsterseel
Arno Ernst war kein Lautsprecher, sondern ein stiller Arbeiter auf dem Platz – geschätzt für seine Ruhe, sein Stellungsspiel und seine Zuverlässigkeit. Vom kleinen FC Wanderlust Süsterseel bis zu internationalen Spielen in der niederländischen Eredivisie: Sein Weg steht beispielhaft für eine Laufbahn, die mit Bodenständigkeit und Leidenschaft geführt wurde. Bis heute wird in Süsterseel mit Stolz auf das fußballerische Lebenswerk von Arno Ernst zurückgeblickt. Seinem Jugendverein ist der heutige Geilenkirchener immer noch verbunden.

Vom Bolzplatz in die Bundesliga – Herbert Mühlenbergs Weg begann in Süsterseel
Einen große Fußballgeschichte ist unweigerlich auch mit dem Namen „Mühle“ verbunden. Ein Heimatidol mit Bundesligaformat. Die Fußballkarriere von Herbert Mühlenberg bleibt unvergessen.
Der gebürtige Süsterseeler prägte nicht nur über viele Jahre den FC Wanderlust 1920 Süsterseel, sondern schaffte anschließend den Sprung bis in die höchste deutsche Spielklasse. Sein Werdegang ist beispielhaft für die Kraft des Amateurfußballs – und das Potenzial, das in kleinen Vereinen schlummert.
Frühe Jahre beim FC Wanderlust
Seine ersten fußballerischen Schritte machte Mühlenberg 1956 als Jugendspieler auf dem Sportplatz seines Heimatvereins. Schnell wurde deutlich: Hier wächst ein Ausnahmetalent heran. Mit Spielwitz, Torgefahr und unermüdlichem Einsatz wurde er schon bald zur prägenden Figur des Vereins – und zum Hoffnungsträger des Dorfes.
Zweifacher Amateurmeister mit dem SC Jülich 10
1968 folgte der Wechsel zum SC Jülich 10 – einem der dominierenden Amateurvereine seiner Zeit. Mit den Jülichern sicherte sich Mühlenberg in den Saisons 1968/69 und 1969/70 gleich zwei Mal den Titel des Deutschen Amateurmeisters. Diese Erfolge ebneten ihm den Weg in den Profifußball.
Bundesliga-Einsätze für den 1. FC Köln
1970 wurde der 1. FC Köln auf den Süsterseeler aufmerksam und nahm den vielversprechenden Stürmer unter Vertrag. Nach ersten Einsätzen in der Amateurmannschaft folgte 1972 das Bundesliga-Debüt – gegen den VfB Stuttgart gekrönt von einem Tor. Ein unvergesslicher Moment für Mühlenberg und für viele Fußballfans aus der Region. Gegen den 1. FC Kaiserlautern machte er sein zweites Bundesligaspiel.
Im UEFA Cup spielte Mühlenberg gegen Bohemians Dublin. Er wurde Vizemeister mit dem 1. FC Köln und stand im Kader des Vizepokalsiegers. Zu seinen Mannschaftskameraden gehörten u.a. Gerhard Welz, Toni Schumacher, Heinz Flohe, Jupp Kapellmann, Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Bernd Cullmann, Harald Konopka, Karl-Heinz Thielen und Wolfgang Weber. In diesem hochkarätigen Kader war es schwer sich durchzusetzen.
Torjägerqualitäten in Leverkusen und Osnabrück
Sein Weg führte weiter zu Bayer 04 Leverkusen, wo er in der Regionalliga West sechs Tore in neun Spielen erzielte. Es folgte der Wechsel zum VfL Osnabrück – und der Beginn seiner erfolgreichsten Profijahre: 17 Treffer in der Regionalliga Nord und später 49 Tore in 126 Spielen der 2. Bundesliga Nord über fünf Spielzeiten machten ihn zum Leistungsträger und Publikumsliebling.
Rückkehr in den Amateurfußball
1978 schloss sich Mühlenberg dem VfB Rheine an, wo er bis 1982 seine aktive Karriere ausklingen ließ. Mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis prägte er auch dort das Team – dieses Mal als erfahrener Führungsspieler im Amateurbereich. Anschließend war Mühlenberg noch viele Jahre als Trainer erfolgreich.
Ein Vorbild für kommende Generationen
Heute gilt der pensionierte Diplom-Sportlehrer Herbert Mühlenberg als Symbolfigur des FC Wanderlust Süsterseel – und als Vorbild für viele junge Fußballer aus der Region. Sein Weg zeigt: Mit Disziplin, Talent und Leidenschaft ist auch aus einem kleinen Dorf der Weg ganz nach oben möglich.

Der FC Wanderlust blickt mit Stolz auf einen seiner wohl berühmtesten ehemaligen Spieler.