Nasse Keller durch die Renaturierung des Rodebachs?

Nasse Keller durch die Renaturierung des Rodebachs?
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Das Thema nasse Keller bewegt viele Tüdderner, Selfkant - online hat bei der Unteren Naturschutzbehörde um Stellung gebeten.

Die Antwort im vollen Wortlaut:

Guten Tag Herr Huchel,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Renaturierung des Rodebachs im Bereich Wehr/Tüddern hat nach Einschätzung unserer Fachleute aus dem Amt für Umwelt und Verkehrsplanung keinen Einfluss auf die Grundwasserstände. Das war schon bei der Planung klar und kann auch durch die Ganglinien des Grundwassers, die man im Internet (z. B. https://www.elwasweb.nrw.de) abrufen kann, belegt werden.

Der renaturierte Rodebach wurde Ende 2021 „in Betrieb“ genommen. Aus den Grundwasserganglinien der Jahre 2022 und 2023 ist abzulesen, dass die Renaturierung hierauf keinen Einfluss hat. Die Ganglinien von zwei Messpunkten im Bereich Tüddern sind beigefügt (siehe Anhang). Hätte die Renaturierung hierauf einen Einfluss gehabt, hätte man dies binnen eines Jahres sicher feststellen können und dann hätte der Bach so auch nicht plangenehmigt werden dürfen, zumindest dann nicht, wenn Dritte hierdurch benachteiligt worden wären.

Von etwa Mitte 2023 bis Anfang 2025 hatten wir eine ausgeprägte Nässeperiode, bei der in Havert 2024 1056,8 l/qm Niederschlag fielen und 2023 950,4 l/qm (Quelle: wetterkontor.de), gegenüber ca. 700-750 mm im Mittel, die sich mit der üblichen Verzögerung auch auf die Grundwasserstände ausgewirkt hat. Es hat somit auch eine Art Grundwasserhochwasser gegeben. Auch dies ist an den Grundwasserganglinien eindeutig abzulesen. Der Großteil der Ortslage Tüddern liegt allerdings, von wenigen Häusern an der Oligstraße abgesehen, erkennbar höher als die Rodebachniederung und auch höher als der zwischenzeitlich erhöhte Grundwasserstand.

Die Feuchte in einigen Kellern dürfte durch eindringendes Schichtenwasser hervorgerufen werden, das unabhängig vom Grundwasser zu sehen ist. Dies kann z. B. dann der Fall sein, wenn Tonschichten oder Verdichtungen beim Hausbau einsickerndes Regenwasser stauen, welches dann durch Wände durchdringt, vor allem dann, wenn die Wände nicht ausreichend gegen Feuchtigkeit geschützt sind.

Meldungen von feuchten Kellern haben wir in jüngerer Zeit aus dem gesamten Kreisgebiet. Dies ist keine Besonderheit der Ortslage Tüddern, wird hier nur mit dem Rodebach in Verbindung gebracht. Den Einfluss der Renaturierung des Rodebachs können wir mit hinreichender Sicherheit als Ursache für feuchte Keller ausschließen. Der neue Bach ist mit Absicht flacher als der alte Rodebach und auch kleiner dimensioniert. Ziel war es ja, einen naturnahen Bach zu schaffen, der auch unterjährig mal über die Ufer treten kann und soll. Dies ist für die Erhaltung des Moorkörpers in der Rodebachniederung von großer Bedeutung, auch um diesen wieder als Kohlendioxyd-Senke zu aktivieren. Außerdem ist dies wichtig für die Artenvielfalt. Diese kurzfristigen Überflutungen haben keinen oder nur einen marginalen Einfluss auf den Grundwasserstand, zumal zwischen Rodebach und Ortslage noch ein Graben liegt, der entwässernd wirkt.

Das zeitweise auf den Wiesen stehende Wasser im Bereich der Rodebachniederung ist ebenfalls kein Grundwasser, sondern steht auf oberflächlich anstehenden Tonschichten. Diese stehen heute näher an der Oberfläche als vor Jahrzehnten, weil sich diese Tonschichten überdeckende ursprüngliche Torfschicht nach langjähriger Austrocknung zersetzt hat und durch Mikroben zu Kohlendioxyd umgewandelt wurde. Auch diese Prozesse sind keine Tüdderner Besonderheit, sondern auch an den Bruchgebieten an der Schwalm oder in der Teichbachaue bei Heinsberg-Himmerich zu beobachten.

Zur Einordung von Ursache und Wirkung auf den Grundwasserstand bedarf es einer großflächigen Betrachtung auf den gesamten Grundwasserkörper und um hierauf signifikant Einfluss zu nehmen sind die überfluteten Flächen am Rodebach und die Zeiträume viel zu klein. Der Grundwasserkörper kann grob mit dem Einzugsgebiet des Rodebachs verglichen werden. Vielmehr ist hier die auf der gesamten Fläche des Grundwasserkörpers eingehende hohe Niederschlagsmenge über einen Zeitraum von fast zwei Jahren der Grund für den Grundwasseranstieg, der sich durch die Trockenheit des letzten halben Jahres auch bereits wieder abgesenkt hat. Auch dies kann an den Ganglinien abgelesen werden. Das Regenereignis vom 8./9. September 2025 mit Regenmengen von ca. 45 mm in Wehr und ca. 70 mm in Teveren ändert hieran noch nichts. Die Häufung dieser Starkregenereignisse in den letzten Jahren weist klar auf die Veränderung des Klimas hin.

Um das Übertreten von Wasser auf den Radweg entlang des alten Rodebachs bei Hochwasser zu reduzieren, plant der Kreis, Bodenmassen aus der in Planung befindlichen Renaturierungsmaßnahme bei Süsterseel an den Stellen, an denen Wasser über den Weg läuft als flachen Wall einzubringen, damit das Wasser südlich des Radweges bleibt. Ferner ist in Absprache mit der Gemeinde geplant, den das Tüdderner Fenn entwässernden Graben durch eine Rückschlagklappe gegen eindringendes Wasser aus dem Rodebach zu schützen. Die feuchten Keller in der Ortslage haben jedoch, wie oben bereits ausgeführt, in der Vielzahl mit eindringendem Schichtenwasser zu tun und nicht mit durch die Sohle oder die unteren Mauerabschnitte eindringendes Grundwasser. So kann auf der nachfolgenden Grafik der Grundwassermessstelle an der Jubiläumsstraße abgelesen werden, dass der Grundwasserstand selbst in der Spitze noch ca. 8 m unter der Geländehöhe war. Diese Messstelle ist für den Großteil der Ortslage Tüddern repräsentativ. Für die tief gelegenen Häuser an der Oligstraße ist die Messstelle Oligstraße repräsentativ. Dort ist der Grundwasserstand hoch anstehend mit einem Flurabstand von ca. 25-80 cm je nach Jahreszeit. Wer hier einen Keller hat, steht so oder so im Grundwasser. Aus beiden Grafiken ist aber auch ablesbar, dass die Renaturierung des Rodebachs, der Ende 2021 erstmals durchflossen wurde, keinen Einfluss auf die Ganglinien des Grundwassers hat. Ablesbar ist auch der Unterschied zwischen den üblichen Jahreshöchstständen am Ende des Winters und den Tiefstständen am Ende des Sommers.

Quelle für die Grafiken (im Anhang): https://hygrisc.nrw.doi-de.net/hygris/pages/auswertung_messstelle/

Mit freundlichen Grüßen
i. A.

Michael Heckers
Pressestelle

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